Sektor Kick-off Gebäudesektor

10. November 2025 in Frankfurt am Main, in Kooperation mit der ING

Der Gebäudesektor ist einer der entscheidenden Hebel für die Dekarbonisierung Deutschlands, und gleichzeitig eine der wichtigsten Wertschöpfungsketten für die wirtschaftliche Wertschöpfung in Deutschland. Etwa zehn Prozent der lokalen Wertschöpfung entsteht in dieser Branche.  Mit der Verantwortung für rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen, ist ihre Modernisierung deswegen längst kein reines Klimathema, sondern eine zentrale Voraussetzung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit und Planungssicherheit unseres Standorts. Eine erfolgreiche Transformation schützt den Immobilienbestand vor massiven Wertverlusten („Stranding Assets“) und sichert lokale Wertschöpfung für für Industrie und Gewerbe. Gleichzeitig ist die Wärmewende eine zutiefst soziale Aufgabe: Nur wenn die Finanzierung der Sanierungen tragfähig gestaltet wird, bleibt Wohnen bezahlbar und der gesellschaftliche Zusammenhalt gewahrt. Daher ist die Verzahnung von Real- und Finanzwirtschaft in diesem Sektor die Grundvoraussetzung, um ökologische Ambition mit ökonomischer Vernunft, sozialer Verantwortung und langfristigem Werterhalt zu vereinen.

Der Auftakt in Frankfurt: Kooperation statt Einzelkampf

Am 10. November kamen auf Einladung der ING und der Initiative „Made in Germany 2030“ führende Vertreter aus dem Bankensektor (u.a. ING, Deutsche Bank, DKB Commerzbank, KfW), der Wohnungswirtschaft (Vonovia, Nassauische Heimstätte, ZIA) sowie der Gebäudetechnik (Vaillant, Fuchs & Eule) in Frankfurt und virtuell zusammen. Basis des Gesprächs war ein gemeinsames Hintergrundpapier zur Beschleunigung der Wärmewende.

Das Ziel war klar gesteckt: Die Sondierung einer dauerhaften „Transformationspartnerschaft Wohnimmobilien“, die als Lotse für die Politik fungiert und praxistaugliche Umsetzungsroadmaps entwickelt.

Kernpunkte der Diskussion: Pragmatismus und Effizienz

Die Teilnehmer waren sich einig, dass ein Fokus insbesondere der Bestand privater Wohnimmobilien sein muss. Gewerbliche und insbesondere öffentliche Wohnungseigentümer stehen vor nicht minder großen Herausforderungen. Dabei wurden vier strategische Säulen identifiziert:

  1. Der Transformationsplan: Wir brauchen einen Fokus auf Kosteneffizienz ohne Senkung des Ambitionsniveaus. Besonders wichtig ist die regulatorische Kohärenz – individuelle Sanierungsfahrpläne müssen mit der kommunalen Wärmeplanung, dem Aus- und Umbau von Nahwärmenetzen genauso wie mit dem Ausbau der Stromnetze und der Wärmeversorgung (Wärmepumpen-Hochlauf) Hand in Hand gehen.

  2. Daten als Fundament: ob für eine effiziente und präszise Risikobewertung oder die Sanierungsplanung, Daten sind für alle Beteiligten – insbesondere Finanzierer – grundlegen und besser verfügbar zu machen. Prozesse und Infrastrukturen müssen durch smarte Schnittstellen und Hardware vereinfacht und befähigt werden.

  3. Soziale Finanzierbarkeit: Die Transformation darf nicht zur sozialen Zerreißprobe werden. Ziel der Partnerschaft ist es, Ansätze zur Senkung von Sanierungskosten zu finden, Finanzierungsmodelle zu vereinfachen und öffentliche Mittel gezielt zu lenken, um die Belastung für Eigentümer und Mieter bedarfsgerecht abzufedern.

  4. Neue Kommunikation: Das Thema muss weg von rein ideologischen Narrativen hin zu einer sachlichen Darstellung ökonomischer Risiken und Chancen. Eigentümer müssen klar verstehen, welche Risiken das aktuelle Vorgehen und welche Chancen intelligentes Agieren langfristig für ihre Vermögenswerte bedeutet.

Die nächsten Schritte: Institutionalisierung und Vernetzung

Die Resonanz auf den Kick-off war durchweg positiv. Eine solche Partnerschaft soll künftig auf Vorstandsebene getragen werden, um politisch schlagkräftig zu agieren – in einem ersten Schritt mit Blick auf die Umsetzung der europäischen Gebäudeeffizienzrichtlinie (EPBD).

In der nächsten Phase wird die Struktur der Transformationspartnerschaft vertieft. Dabei wird eine enge Vernetzung mit weiteren Akteuren wie den Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Energieversorgern und Verbänden wie z.B. Haus & Grund angestrebt, um eine breite Allianz für einen zukunftsfähigen Immobilienstandort zu schmieden.



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